Magisch

Dreimal sollst du ihn gehn
Damit er dich belohnt
So spricht zu mir der Alte der
Am Jakobswege wohnt

Zweimal lass ich vergehn
Den Jahreszeitenschritt
Schnür eilig meinen Ranzen
Nehm meínen Schatten mit

Zu spät klopf ich an seine Tür
Hör leis die Zahl die Zahl
Geflüstert von der Alten
Im schwarzen Tuche fahl

Ich seh sie Hände falten
Und unbeweglich stehn
Als längst zurück ich bin
Und habe in Gedanken
Den letzten Weg im Sinn



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AnSinnen

Lausch und sinn der Kunde nach
Von Pfaden grauer Zeit
Auf guten Wegen wussten sie             
Zu schreiten endlos weit

Nimm unter deine Sohlen
Das gute Maß der Schritte
Voran und weiter … weiter

Kannst auf alten Wegen fort
Sinnen … sinnen … sinnan    

 

ahd. sinnan - reisen, wandern, streben


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wortreich



einst hörte sie von einem stein
der könne worte flüstern
hin zu jenem der
ihn umfasst und küsst

ins herz flögen die worte
wie in die feder leicht
und  leise weise

an der klippe fand sie ihn
zu schmal der steg hinüber
zu tief der grund

und

kusshand streift den wunderstein
der flüstert manches wort ihr ein

 


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Erntewinter


Sie pflücken ihre Äpfel nicht
die gelb leuchten
aus schwarzen Ästen

Sie sagen
auch Vögel sollten
Ernte haben

Herabgefallne
rollen sie
mit der Karre
auf den Acker

Tragen
die knackig Roten
in Plastiktaschen

Singen
ihre Schlechtzeitklage
täglich neu

Der Pflug wird Süße ernten




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Goldstück

Brenne brenne
bring den Beweis
dass du einst
weich warst
lang vor dem Eis

Dass du geduftet
am Schachtelhalme
von Sonne geblendet
Signale gesendet
dem Ameisentier

Trunken ertrunken
Im goldenen Fluss
erstarret mit dir
zu leuchten bereit
in Zeitlangsamkeit




Litauischer Bernstein



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verborgen

ein Wolkenschwan
einst fort geflogen
hat all Musik
mit sich gezogen
sein Sirren klagte
lang noch nach

in der Höhle
blieb sein Flügelknochen
als Flöte lang
und lang gespielt
Jahrtausend Staub
behütet seinen Klang

Wind wolkt auf
die zarte Form
besiegt Vergessensein

nun bringt die Zeit
mit Flügelschlag
all die Musik zurück